Wir allen wollen die neuesten PCs, Notebooks, Tablets oder Smartphones. Dabei übersehen wir jedoch, dass oft unmenschliche Bedingungen zur Gewinnung der Rohstoffe, zur Herstellung der Komponenten und letztendlich auch bei der Entsorgung des hochgiftigen Elektronikschrotts angewandt werden. Der Film Behind the Screen – Das Leben meines Computers klärt darüber auf.

Ein Team von drei Studenten der Fachhochschule Salzburg hat den Prozess vom Anfang bis zum Ende eines Computers genauer unter die Lupe genommen.

Im Dokumentarfilm Behind the Screen – Das Leben meines Computers beleuchten Stefan Baumgartner, Simon Fraissler und Sandra Heberling die Schattenseiten der sonst so schillernden Welt der smarten elektronischen Geräte. Um den Lebenszyklus zu zeigen, fuhren die jungen Filmemacher um die halbe Welt und hielten die verschiedenen Stationen fest. Zur Hintergrundrecherche interviewten sie Goldschürfer in Afrika, Arbeiter in den tschechischen Fabriken der Zulieferfirmen, Wissenschaftler und Umweltaktivisten. Mit dem Film zeigt das Team einen Kreislauf, der beim illegalen Goldabbau in Ghana beginnt und bei der Entsorgung auf den Elektronikschrottmüllhalden wiederum in Ghana endet.

1. Station: Goldgewinnung

Gold ist ein wichtiger Rohstoff für Computerkomponenten. Als Land mit hohen Rohstoffvorkommen hat die Regierung Ghanas in den letzten Jahren Landteile an Goldminenbetreiber verkauft. Die enteigneten Bauern verdienen sich ihren spärlichen Lebensunterhalt mit „Galamsey Mining“, dem illegalen Goldabbau abseits der legalen Minen. Dabei riskieren sie täglich ihr Leben, indem sie mit körperlicher Schwerstarbeit nach winzigen Goldkrümeln im Schlamm suchen. Nicht nur sozial, sondern auch ökologisch zeigen sich hier die ersten Schattenseiten im Lebenszyklus eines Computers: Um das Gold aus dem Gestein zu lösen, verwenden die Minenbetreiber Zyanid, eine hochgiftige Substanz, die in die Flüsse gelangt und das Wasser in der Gegend ungenießbar macht.

2. Station: Herstellung der Komponenten

Als zweite Station zeigt der Film die Werkshallen der Zulieferindustrie. Als Schauplatz wählten die Filmer die Fabrikanlage von Foxconn in Tschechien, den weltweit größten Auftragsfertiger in der IT-Branche. Zwischen 5000 und 6000 Arbeiter verrichten hier einfache monotone Aufgaben. Der größte Teil der Arbeitskräfte wird über Personalagenturen eingestellt. Diese rekrutieren Billigarbeitskräfte aus Bulgarien, Rumänien, der Slowakei und der Mongolei. Vor der Kamera – aus Angst aber nur anonym – berichten die Arbeiter über Arbeitszeiten von zwölf Stunden pro Tag, einen Stundenlohn von 2,70 Euro und die Tatsache, dass sie keinen Urlaub bekommen. Diese Station im Computer-Lebenszyklus zeigt vor allem die Schattenseiten der Globalisierung: Der Preisdruck wird von den Markenherstellern an die Kontraktfertiger weitergegeben, die ihren Kostendruck dann auf die Arbeiter abwälzen. Eine Konkurrenz der Billiglöhne und unmenschliche  Arbeitsbedingungen sind die Folge.

3. Station: Verwendung der Geräte

Nach kurzen Filmsequenzen, die die Nutzung der neuen Technologien in der industrialisierten Welt zeigen, dokumentiert der Film die letzte Schattenseite im Computer-Lebenszyklus: das Ende der alten und kaputten Geräte auf der Müllhalde.

4. Station: Entsorgung des Elektronikschrotts

Unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe und um „den Anschluss an das digitale Zeitalter zu ermöglichen“, wird der Elektronikschrott auf Schiffen nach Afrika gebracht. Auf diese Weise landen jeden Monat über 500 Container aus Europa und den USA in Ghana. 90 Prozent der Altgeräte enden auf den digitalen Müllhalden. Die Schwermetalle des Elektronikschrotts gelangen in den Boden, in die Gewässer und durch das Verbrennen des Mülls auch in die Luft. Auch wenn der Lebenszyklus des Computers auf der Müllhalde endet, geht der ökologische Kreislauf weiter. Die toxischen Substanzen gelangen von den Flüssen ins Meer und von da weiter in die Nahrungskette auch der Industrienationen. Das Resümee von Filmproduzentin Sandra Heberling: „Mit dem Dokumentarfilm wollen wir Konsumenten die Augen öffnen, denn den meisten Menschen ist dieser Kreislauf nicht bewusst.“

(Erschienen in SUCCEED 04/2012)

Weitere Informationen auf der Facebook-Seite von Behind the Screen

Andrea Jindra

Über den Autor: Andrea Jindra

Mag. Andrea Jindra ist Geschäftsführerin des Beratungs- und Trainingsinstituts Die BILDUNGSMANAGER sowie Günderin und Geschäftsführerin von Weiterbildungsmarkt.at. Mit dem Fokus auf online Vermarktungslösungen für Weiterbildungsanbieter ist sie beratend und trainierend für namhafte Weiterbildungsinstitute und Hochschulen tätig.

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