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Cornelia Weber-Fürst ist Führungstrainerin und Coach mit Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung. Im Interview mit Weiterbildungsmarkt.at erzählt die Personal- und Organisationsentwicklungs-Expertin, wie Manager in Trainings die Muster ihrer Persönlichkeit erkennen und neue Potenziale frei setzen können.

Weiterbildungsmarkt.at: Wie lange sind Sie bereits im Training tätig und wie sind Sie in den Bereich gekommen?

Cornelia Weber-Fürst: Ich bin seit 21 Jahren im Bereich der Personalentwicklung tätig. Damals gab ich meinen Führungsjob auf, da meine Mitarbeiter zu 90 % auswärts tätig waren und ich noch mehr mit Menschen arbeiten wollte. Schon seit dem BWL-Studium hatten es mir die soft skills und ihre Hintergründe angetan. Wir hatten damals einen Zusatzkurs über Transaktionsanalyse, der mich mein Herzblut erkennen lies. Als Personalentwicklerin bei der Allianz Versicherung in München startete ich 1996 zunächst im Bereich der Kommunikations- und Methodentrainings, spezialisierte mich aber schnell auf Führung, da mir einerseits meine eigene Führungserfahrung hilfreich war und ich vom verantwortungsvollen Umgang mit Macht fasziniert war. 8 Jahre habe ich als Interne Trainings gehalten, Coachings und Assessment-Center durchgeführt und Teams und Change-Projekte begleitet. Das war ein wertvoller Erfahrungsschatz. 2002 nahm ich ein Sabbatical und ging 6 Monate nach Australien. Das war der Auftakt des für mich persönlich anstehenden Entwicklungsschritts von der Sicherheit (Arbeitsplatz, Versicherungsunternehmen) in die Unsicherheit (Outback, Selbständigkeit). Seither arbeite ich für die unterschiedlichsten Branchen und freue mich, als Selbständige so viele verschiedene Unternehmenskulturen kennenlernen zu dürfen.

Schon seit 2002 bin ich als Coach-Ausbilderin tätig und habe 2006 das Buch „Potenzialorientiertes Coaching“ veröffentlicht. 2009 kam der Titel MCC, Master Certified Coach, des ICF (International Coach Federation) dazu und ich arbeite heute viel im Bereich von individuellem Coaching für Führungskräfte.

Weiterbildungsmarkt.at: Ihr Kernthema ist Persönlichkeit? Worum geht es in Ihren Trainings?

Cornelia Weber-Fürst: Persönlichkeit in den Kerngebieten von Mitarbeiter-Führung, Konflikt und Coaching. Analog zu Peter Druckers berühmten Satz „Culture eats strategy for breakfast.“ gilt für mich „Personality eats knowlegde for breakfast.“ Es ist wichtig, einiges über die Themen Führung, Konflikt und Coaching kognitiv zu verstehen. Aber entscheidend ist, auf welchen „Persönlichkeitsboden“ das fällt. Ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit ist zum Beispiel der innere Richter, der sich stark darauf auswirkt, wie viel und was wir wahrnehmen können, ob wir unsere Energie für Image verschwenden oder gar verlieren und wie bewertend oder fördernd unsere Handlungen für andere sind. Wer nur auf der Wissens- und Skill-Ebene lernt, kann sogar im Endergebnis eingeschränkter sein als vorher, da das Training nur den inneren Anspruch des Richters gefüttert hat und die Person damit stresst. Ich achte daher sehr darauf, dass neues Verhalten aus dem wahren Selbst kommt und Persönlichkeitsprägungen erkennbar und damit manage-bar werden.

Übertragen auf Teams und Organisationen ist die Persönlichkeit die Kultur. Sie entsteht ähnlich wie bei Individuen nicht gezielt, sondern als Nebenwirkung von Ereignissen und Beteiligten. Die bewusste Gestaltung einer Organisationskultur fasziniert mich und bei Teams achte ich darauf, dass der erforderliche Entwicklungsschritt im Workshop passiert statt dort nur geplant wird.

Weiterbildungsmarkt.at: Was war in der letzten Zeit das Highlight in Ihrer Tätigkeit in im Training?

Cornelia Weber-Fürst: Die Entwicklungsschritte unserer Teilnehmer im Triple A-Leadership-Programm, das ich mit meinem Mann zusammen leite. Wir arbeiten hier über 8 Monate mit Senior-Managern an Awareness – Autonomy – Authenticity. Wenn ein perfektionistisch veranlagter Manager zutiefst erkennt, dass er bisher in allem nur der Wahrheit seines Richters geglaubt hat und seine eigene nie gesehen, geschweige denn genutzt hat, dann ist das die größte Potenzialbefreiung, die ich mir vorstellen kann. Ein anderer Manager erkannte, wie sehr sein bisheriges Streben nach Harmonie die Verfolgung einer Illusion war und was er dadurch jetzt alles lassen kann. Diesem Manager stehen jetzt wieder seine vollen Kapazitäten zur gezielten Ausrichtung zur Verfügung. Das würde ich am liebsten feiern.

Weiterbildungsmarkt.at: Wo sehen Sie in Ihrem Thema noch Herausforderungen für die Zukunft, die es zu meistern gilt?

Cornelia Weber-Fürst: Da es nicht viele Angebote für Persönlichkeitstrainings gibt, wird dieser Entwicklungsweg noch sehr unterschätzt. Ich vermute, dass der Grund für diese geringe Zahl an Angeboten darin liegt, dass es eine deutlich tiefere Kompetenz braucht, Persönlichkeit zu entwickeln als Verhalten zu trainieren.

Viele stecken auch in dem Mißverständnis „So bin ich halt. Ich will mich auch nicht verbiegen.“ und erkennen dabei nicht, dass die vorhandene Persönlichkeitsprägung bereits die eigentliche „Verbiegung“ des wahren Selbst darstellt.

Es braucht für viele auch eine Möglichkeit, diese Entwicklungsarbeit kennenzulernen, um ihre Scheu vor diesem unbekannten Territorium ablegen zu können. Wer sie erlebt, empfindet es immer als erleichternd.

Um dieses wertvolle Potenzial den obersten Management-Ebenen erkennbar zu machen, gilt es, noch viele Brücken zu bauen.

Weiterbildungsmarkt.at: Wo geht es für Sie noch hin? Was wollen Sie noch erreichen?

Cornelia Weber-Fürst: Für mich liegt in der Persönlichkeitsarbeit die Zukunft. Je komplexer die Welt wird, umso weniger helfen uns Modelle, Tools, Rezepte und Erfolgsformeln. Wir brauchen in Organisationen und in der Gesellschaft eine kritische Masse von Entscheidungsträgern, die sich autonom von äußeren Normalitäten und Erwartungen sowie autonom von inneren alten Prägungen mit der Realität auseinandersetzen kann. Diese Persönlichkeitsarbeit ist erforderlich, um innerlich friedvoller zu werden und äußerlich sinnvoll wirksam zu sein.

Ich hoffe, ich kann möglichst viele Menschen und damit auch Organisationen dazu unterstützen.

Wer an all die Führungskräfte denkt, deren Ego ihn schon gestört hat, und sich vorstellt, wie Wirtschaft ablaufen könnte jenseits dieser Ego-Muster, kann das Potenzial an Wirksamkeit, Befriedigung und Entfaltung erahnen, das wir noch entwickeln können.

Weiterbildungsmarkt.at: Vielen Dank für das Interview!

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