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Elmar Türk ist Berater und Trainer für Persönlichkeit, Kommunikation und persönliches Wachstum. Im Interview mit Weiterbildungsmarkt.at erklärt er, warum es in Trainings nicht nur um Inhaltsvermittlung und Kompetenzerwerb geht und worauf es ankommt, um nachhaltige Veränderung bei den Teilnehmenden zu erreichen.

Weiterbildungsmarkt.at: Wie lange sind Sie bereits in der Weiterbildung tätig? Und wie sind Sie in den Bereich gekommen?

Elmar Türk: Wie so viele bin ich in den Trainingsbereich hineingestolpert. Ich studierte Chemie, wollte in die Forschung. Und mit 21 Jahren (1989) wurde ich Segelfluglehrer, plötzlich wollten erwachsene Menschen von mir etwas lernen. Und das hat Spaß gemacht! Ich habe mich viel mit didaktischen Fragen beschäftigt und schon war ich mitten im Thema Kommunikation.

Weil es eine Beziehungsfrage ist, ob man in einem Segelflugzeug von einem Lehrer etwas lernt oder eben nicht. Und dieses „eben nicht“ kann dann auch schnell sehr gefährlich werden …

Die nächste Fügung war ein Flugschüler, der ein Trainingsinstitut hatte und mir ein Freund und Mentor wurde. Und da bin ich mitgegangen, über mehrere Jahre, ohne eine konkrete Absicht, das in einen Beruf zu packen. Viel später erst habe ich zusammengezählt, was ich damals erleben durfte: es waren über 60 Tage!

Als ich dann gesehen habe, welche Rahmenbedingungen Wissenschaft bedeutet, erst dann wurde der Trainingsbereich eine berufliche Option. Zuerst, um die beiden Welten – Naturwissenschaft und Kommunikation – zu verbinden, das war schon immer so ein Thema von mir. Und dann immer mächtiger als Bestimmung. Ich musste mich nie überwinden da dran zu bleiben, das war ständige Neugierde.

Seit 1995 lebe ich von meiner Trainertätigkeit, dann ging es weiter zur Beratung, Mediation, der Arbeit mit Organisationen. Die Jahre im Sesselkreis haben mich sicher geprägt. Und die Neugierde ist geblieben.

Weiterbildungsmarkt.at: Worin liegt Ihr Kernthema und was vermitteln Sie genau in Ihren Trainings?

Elmar Türk: Das lässt sich über die Inhalte gar nicht erfassen, da tanze ich auf mehreren Kirtagen. Und der Begriff „Persönlichkeitsentwicklung“ bleibt oft ein Schlagwort. Meine Trainings sind niemals „nur“ Inhaltsvermittlung oder Kompetenzerwerb. Mir geht es immer um das Bewusstsein, an die Grenzen zu gehen von dem, was für die Teilnehmer schon sichtbar ist.

Passende Impulse zu geben ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Und eine spannende Balance zwischen Überforderung und Unterstützung. Eine weitere Balance in der Persönlichkeitsbildung ist auch der Spagat zwischen Reflexion und konkreter Umsetzung des Erkannten.

Ein Herzensthema ist natürlich die Ich-Entwicklung. Dieses Modell der persönlichen Reife ist für mich in den letzten Jahren eine zentrale Landkarte in Beratung und Training geworden.

  • Welche Komplexität kann ein Mensch bewältigen?
  • Wie können wir mit unseren eigenen Begrenztheiten umgehen?
  • Wie helfen wir Menschen, sich für die Welt jenseits ihres Horizonts zu interessieren?

Die Begleitung von längeren persönlichen Prozessen erlebe ich vor allem in den Mediationsausbildungen. Auch dort geht es darum in den Bereich jenseits von Wissen und „richtig machen“ zu kommen. Wer sich länger mit dem eigenen Zugang zu Konflikten beschäftigt, der erlebt Transformation. Da werden Grundhaltungen in Frage gestellt und eine neue Identität gebildet. Zuerst in der Funktion, aber das schlägt Wellen im ganzen Leben!

Und alle diese Themen so zu erleben, dass Form und Inhalt zusammenpassen, das sehe ich als wesentliche Aufgabe in der Weiterbildung. Ein Training ist kein Unterhaltungsprogramm, dass dem Teilnehmer/ der Teilnehmerin passiven Konsum ermöglicht. Und es muss Erlebnisse möglich machen, die den Inhalten entsprechen. Eine Teilnehmerin an einer DiSG-Zertifizierung muss erleben können, wie ich unterschiedliche Menschen auch unterschiedlich abhole. Ein Teilnehmer an einer Fortbildung für MediatorInnen sollte erleben, dass er für seine Bedürfnisse selbst verantwortlich ist und meine Unterstützung erfährt. Das klingt abstrakt und ist eine schöne Herausforderung. Wir kennen viele tolle Konzepte der Erwachsenenbildung, aber sie sind nicht so leicht umzusetzen. Action Learning, Transfomatives Lernen, Prozessorientierung werden oft genannt; bei mir sind sie drin – und darauf bin ich auch stolz.

Weiterbildungsmarkt.at: Was war in der letzten Zeit das Highlight in Ihren Trainings?

Elmar Türk: Da fällt mir sofort ein, wie sich jetzt langsam eine Community bildet, durch die Absolventen des Seminarzyklus „Die Kunst, Entwicklung wahrzunehmen“, den ich mit meiner Kollegin Rosa Strasser seit mehreren Jahren gestalte. Da bilden sich jetzt kleine Gruppen, die an dem Thema dranbleiben – ganz ohne uns. Das bekommt eine Eigendynamik, bei der wir nicht mehr die einzige tragende Rolle spielen. So etwas gefällt mir.

Weiterbildungsmarkt.at: Wo sehen Sie in Ihrem Thema noch Herausforderungen für die Zukunft, die es zu meistern gilt?

Elmar Türk: Da sehe ich jede Menge! Das ist doch das Schöne an unserem Beruf, dass man niemals fertig ist. Das es immer weitergeht. Nicht wegen der diversen Modeströmungen und Marketing-Schreiereien. Sondern als echte Entwicklung: von mir selbst, von den Themen, von der methodischen Umsetzung.

Der Druck im Markt ist enorm, immer weniger Zeit, immer schnellere Ergebnisse. Ich jammere nicht darüber, sondern sehe das als Anlass schärfer zu unterscheiden: was geht wirklich effektiver als so, wie wir es „schon immer gemacht haben“?

Aber wo müssen wir klar Stellung beziehen: das ist nicht sinnvoll, diese Entwicklung zur Effizienz ist nicht nachhaltig!

Ich sehe es als ein Spiel, in dem wir als Profis in den letzten Jahren fest mitgespielt haben: wer verspricht am meisten? Wer behauptet, welche Wunder wirken zu können? Wer hat die neueste Geheimmethode?

Davon müssen wir weg! Wir kochen mit Wasser – und das sehr schmackhaft!

Und wir brauchen ein Selbstbewusstsein, unter welchen Rahmenbedingungen welche Arbeit sinnvoll möglich ist. Wie oft wird Entwicklung eingefordert und Lernen budgetiert. Wir sind mitverantwortlich, wenn wir da weiter mitspielen!

Und dann werden wir sehen, was Training wirklich leisten kann! Intelligent vernetzt mit anderen Maßnahmen. Und konsequent für Erwachsene aufgebaut.

Weiterbildungsmarkt.at: Was wollen Sie in Ihrem Thema im Training in Zukunft noch erreichen?

Elmar Türk: Also jedenfalls möchte ich das Vertrauen vertiefen, dass die Themen mich finden. Jedenfalls soll es Sinn machen für meine TeilnehmerInnen und für mich. Weiterbildung ist ja nur ein Aspekt, ich sehe mich ja primär als Berater.

Konkret freue ich mich gerade auf das Vorhaben, eine allgemeine Einführung und Übersicht in die aktuellen Persönlichkeitstheorien zu geben. „Persönlichkeit und Persönlichkeitsmodelle“ soll eine Lücke schließen, viele KollegInnen arbeiten mit Modellen und Instrumenten ohne den größeren Überblick. Zurecht wird kritisiert, dass Zertifizierungen oft auf Produkt-Werbung reduziert werden.

Da möchte ich dagegen halten. Es muss möglich sein, die Grenzen der eigenen Instrumente zu sehen und zu benennen, das gibt ja dem Kunden erst das Vertrauen.

Moderne Methoden der Entscheidungsfindung – Stichwort „systemisches Konsensieren“ – gehören gut eingebunden in Beratungsprozesse. Da gilt es einiges zu Lernen, damit es nicht eine Methode bleibt, quasi „die nächste Sau, die durch´s Dorf gejagt wird“ – sondern als das Paradigma verstanden wird, das demokratische Prozesse unterstützt.

Denn meine Arbeit habe ich immer gesellschaftspolitisch verstanden und das wird auch so bleiben. Vielleicht traue ich mich irgendwann das auch noch expliziter zu benennen …… das ist meine Vision: gut verständlich zu sein und keine Angst zu haben, unverstanden zu bleiben!

Weiterbildungsmarkt.at: Vielen Dank für das Interview!

Elmar Türk

Weitere Informationen über Mag. Elmar Türk

Weitere Informationen über DiSG-Training.at

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